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Niemand hat 10.000 Stunden KI

Im letzten Post habe ich beschrieben, wie ich Claude Code Rechte gebe und nehme, mit deny, ask und allow. Der naheliegende nächste Schritt wäre, dass ich meine komplette settings.json anhänge. Das mache ich nicht, und der Grund gilt für fertige Skill-Sammlungen und ausgepackte Prozesse genauso.

Eine solche Liste nimmt dir die Anfangsphase ab. Genau die brauchst du aber.

Eine Konfiguration ist der eingedampfte Rest einer Erfahrung, die jemand anders gemacht hat. In jeder Zeile steckt ein Moment, in dem etwas schiefging und danach eine Regel entstand. Wer die Datei übernimmt, bekommt das Ergebnis ohne den Anlass. Beim ersten Konflikt steht er dann vor dreißig Zeilen und weiß nicht, welche davon er anfassen darf.

Die Zahl, die es noch gar nicht geben kann

Zehntausend Stunden bis zur Expertise, das ist eine geliehene Faustregel aus der Expertiseforschung und dort selbst umstritten. Als Bild trägt sie trotzdem: Können kommt aus Wiederholung unter Beobachtung.

Rechne das für unser Feld einmal nach. Ein ernsthafter Agenten-Workflow ist ungefähr zwei Jahre alt. Selbst wer seitdem jeden Arbeitstag nichts anderes gemacht hat, kommt auf vier- bis fünftausend Stunden. Niemand hat hier zehntausend. Ich nicht, und die Person, die dir den fertigen Prozess verkauft, auch nicht.

Wir sind alle Anfänger in diesem Feld. Einige sind lautere Anfänger.

Abgehängt ist ein Verkaufsargument

Die Angst, den Anschluss zu verlieren, verkauft sich hervorragend und beantwortet keine einzige Frage, die in deinem Projekt tatsächlich ansteht. Ich sehe niemanden, der in zwölf Monaten unrettbar zurückliegt, weil er im August 2026 noch ohne Agenten gearbeitet hat. Ich sehe Teams, die sich in drei Wochen ein Setup übergestülpt haben, das sie nicht erklären können, und die jetzt Code reviewen müssen, den niemand verstanden hat.

KI verstärkt Gewohnheiten, gute wie schlechte. Wer schnell startet und dabei die eigene Sorgfalt überspringt, bekommt die Schludrigkeit im gleichen Tempo zurück wie alles andere.

Was ich stattdessen empfehle

Nimm ein Projekt, das dir gehört, und mach eine Sache anders als sonst. Eine Regel in die settings.json. Ein Issue, das die KI komplett bearbeitet, während du zuguckst. Ein Review, in dem du bewusst suchst, wo das Modell plausibel danebenliegt.

Dann beobachte, was passiert, und leite die nächste Änderung daraus ab. Das ist langsamer als ein Download und es ist die einzige Variante, bei der du am Ende weißt, warum deine Konfiguration so aussieht, wie sie aussieht.

Nach zwei Wochen hast du fünf eigene Regeln. Die sind dir mehr wert als hundert fremde, weil du zu jeder den Vorfall erzählen kannst, der sie ausgelöst hat.

In eigener Sache

Ich verkaufe Workshops, ich veröffentliche mein eigenes Kit, und beides sieht von außen genau wie die Abkürzung aus, die ich hier kritisiere. Der Unterschied liegt darin, was du damit machst. Ein Startpunkt ist etwas, das du auseinandernimmst, veränderst und irgendwann zur Hälfte wieder wegwirfst. Eine Abkürzung ist etwas, das du unangetastet lässt und hoffst, dass es passt.

Wenn du nach einem Workshop mein Setup übernimmst und nie wieder anfasst, habe ich meine Arbeit schlecht gemacht.

Fang an. Ein Projekt, eine Regel, ein Issue. Der Rest ist Stunden sammeln.

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