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Programmieren war nie Softwareentwicklung. Vibe Coding ist es auch nicht.

Vibe Coding und KI-gestützte Softwareentwicklung sind für mich zwei verschiedene Dinge. Den Unterschied kenne ich aus der Zeit lange vor der KI.

Früher haben viele Studierende an der Uni Programmieren gelernt. Sie kannten danach Syntax und Semantik einer Programmiersprache und konnten Programme schreiben, die liefen. Softwareentwicklung konnten sie damit noch nicht.

Was zum Programmieren dazukommt

Zur Softwareentwicklung gehört zuerst, dass ich mich lange mit einer Programmiersprache beschäftige, weil ich ihr Ökosystem kennenlernen muss. Das dauert Jahre.

Dann kommt alles, was mit der Sprache selbst wenig zu tun hat. Ich muss verschiedene Architekturen kennen und Architekturentscheidungen treffen können. Ich muss mich um Security kümmern, um Clean Code und um Tests. Das alles macht für mich den Unterschied zwischen Programmieren und Softwareentwicklung aus.

Schlimm war das Programmieren ohne all das nie. Wenn ein Student für sich selbst Spaghetti-Code gehackt hat und das Programm für ihn funktionierte, dann war alles gut.

Was die KI mitbringt

Ein Sprachmodell beherrscht Syntax und Semantik, und es bringt das Ökosystem gleich mit. Damit ist es weiter, als die Absolventinnen und Absolventen damals waren.

Vibe Coding ist für mich genau das: Programmieren mit KI. Ich beschreibe, was ich haben will, und bekomme ein Programm, das läuft. Ich verurteile das nicht. Wer so etwas für sich selbst baut, macht dasselbe wie der Student mit seinem Spaghetti-Code, und das ist in Ordnung.

Anders wird es, wenn die Software produktiv geht. Dann muss ich hinschauen, ob daraus ein Problem wird, und bei der Security würde ich anfangen.

Die Schritte sind dieselben geblieben

Am Ablauf der Softwareentwicklung hat die KI aus meiner Sicht wenig geändert. Es geht immer noch mit der Anforderungsanalyse los und endet bei Tests und Leitplanken. Über Architektur und Security muss ich mir genauso Gedanken machen wie vorher. Es geht nur sehr viel schneller.

Dass sich die Organisation um diesen Ablauf herum anpassen muss, habe ich in Alle haben KI. Kaum jemand hat die Organisation angepasst. beschrieben. Hier meine ich die Arbeit selbst.

Einen Vorteil habe ich heute. Ich kann diese Vorarbeit zusammen mit der KI machen. Ich entwickle mit ihr eine gute Softwarearchitektur und baue danach Leitplanken, die diese Architektur garantieren. Ich bespreche mit ihr, ob Test-Driven Development für das Projekt sinnvoll ist, und wenn ich mich dafür entscheide, bekommt auch das eine Leitplanke. Warum ich bei Modellen auf Test-First bestehe, steht in Test-First war bei Menschen egal. Bei Modellen nicht.

Wie dieser Prozess bei mir konkret aussieht, habe ich selbst gebaut, und ich halte das im Moment für den richtigen Weg.

Warum der Vergleich mit dem Junior nicht passt

Die KI wird oft mit einem guten Juniorentwickler verglichen, der eben auch Leitplanken braucht. Ich halte den Vergleich für schief, und zwar in beide Richtungen.

Die KI ist deutlich weiter als ein Junior. Sie bringt das Ökosystem mit, und in der Theorie hat sie auch Architektur, Security und Clean Code parat. Sie wendet das nur nicht verlässlich von selbst an.

Ein Junior lernt dafür aus dem Review. Er macht denselben Fehler kein zweites Mal und braucht die Leitplanke irgendwann nicht mehr. Das Modell macht den Fehler beim nächsten Auftrag wieder. Deshalb bleiben die Leitplanken stehen, in jedem Projekt und bei jeder Anforderung.

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