+49 173 5926916

info@mwolff.org

Butjadinger Straße 34a, 28197 Bremen

Wie viel KI steckt in deinen Texten, Manfred?

Letzte Woche bekam ich einen Kommentar auf LinkedIn.

„Ich mag was Du schreibst, Manfred Wolff. Bitte eine ehrliche Antwort: Wie viel wurde vom Text mit KI geschrieben? Und wie viel hast du davon übernommen?“

Eine faire Frage. Ich beantworte sie gerne. Aber die Antwort beginnt nicht mit KI.

In der Schule war ich eine Fünf in Deutsch

Nicht weil ich nichts zu sagen hatte. Sondern weil das, was ich sagen wollte, auf dem Weg aufs Papier immer wieder stecken blieb. Rechtschreibung. Grammatik. Satzstellung. Meine Mitschüler hatten damit keine Probleme. Ich schon.

Das hat mich nicht daran gehindert, Gedanken zu haben. Es hat mich daran gehindert, sie vollständig nach außen zu bringen. Ein Gedanke, der nicht aufgeschrieben werden kann, ist schwerer zu teilen, schwerer zu prüfen, schwerer weiterzuentwickeln. Das war über Jahrzehnte ein echter Engpass für mich.

Meine Diplomarbeit habe ich von einer professionellen Lektorin korrigieren lassen. Nicht weil ich zu faul war, es selbst zu machen. Sondern weil ich wusste, dass ich es alleine nicht sauber hinkriege.

2004 habe ich ein Buch geschrieben. Auch dort: fremde Hilfe für die sprachliche Seite war keine Ausnahme, sondern Voraussetzung. In dem Fall hatte mein Co-Autor das gammatikalische Know-How und natürlich die Lektorin.

Das erste Werkzeug, das wirklich geholfen hat

Word hat mir mehr gegeben als eine Textverarbeitung. Es hat mir rote Unterstreichungen gegeben. Ein System, das mich in Echtzeit korrigiert, ohne zu urteilen, ohne Kommentar, ohne Notizen im Rand, ohne ein Note zu vergeben.

Das klingt selbstverständlich. Für mich war es ein Schritt. Ich konnte schreiben, ohne hinterher alles durch eine externe Instanz schicken zu müssen. Die Lücke zwischen Gedanke und Text wurde kleiner.

Das war kein Schummeln. Das war Handwerk, das ich delegiert habe, weil es nicht meine Stärke ist. Kein Tischler schleift von Hand, wenn er eine Schleifmaschine hat.

KI ist der nächste Schritt davon. Ein deutlich größerer.

Wie meine Texte entstehen

Ich rede. Das ist der Ausgangspunkt.

Ich spreche meine Gedanken in ein Mikrofon oder direkt in ein Gespräch mit der KI. Ich diktiere, ich springe, ich wiederhole mich, ich korrigiere mich mittendrin, ich ändere die Richtung, wenn ich merke, dass die These noch nicht stimmt. Das ist kein geordneter Prozess. Es ist Denken in Echtzeit.

Aus diesem Rohmaterial entsteht ein erster Text. Den prüfe ich. Ich korrigiere, wenn etwas nicht nach mir klingt. Ich streiche, was zu glatt ist. Ich schärfe, was zu weich formuliert wurde. Manchmal schreibe ich Passagen neu, weil die KI eine Nuance verfehlt hat, die mir wichtig ist.

Was ich nicht tue: ich gebe der KI ein leeres Feld und sage „schreib mir einen Text über Thema X“. Das Ergebnis wäre ein generischer Text. Lesbar, strukturiert, inhaltsleer.

Sind das dann noch meine Texte?

Ja. Ohne Einschränkung.

Ich bestimme die Kernaussage. Ich bestimme, welche Beispiele verwendet werden, welche weggelassen werden. Ich bestimme die Haltung, den Ton, den Widerspruch, den ich provozieren will. Ich bestimme, was belegt werden muss und was ich als meine Meinung stehen lassen kann, ohne Beleg. Ich bestimme auch, was ich von mir persönlich preisgeben will.

Das ist dasselbe Prinzip wie bei einem Ghostwriter. Oder bei einem Lektor, der einen Text so überarbeitet, dass er besser klingt, aber immer noch die Gedanken des Autors enthält. Den Unterschied zwischen „der Inhalt kommt von mir“ und „die Formulierung kommt von mir“ haben Autoren immer schon gemacht. Politikerinnen und Politiker lassen Reden schreiben. Führungskräfte lassen Berichte formulieren. Was zählt, ist, wessen Kopf dahintersteckt.

Meiner steckt dahinter.

Ob alle Sätze klingen, als hätte ich sie selbst getippt: nicht immer. Ich arbeite daran. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, was ich nachkorrigieren muss, damit ein Text wirklich nach mir klingt. Das ist ein Prozess, kein fertiger Zustand.

Was das mit dem größeren Bild zu tun hat

Ich schreibe auf diesem Blog oft darüber, was passiert, wenn KI ohne klare Führung arbeitet. In der Softwareentwicklung, im Coaching, in der Teamarbeit. Das Prinzip ist immer dasselbe: KI verstärkt, was der Mensch einbringt. Klaren Input, klaren Output. Vagen Input, vagen Output.

Was ich hier beschreibe, ist dasselbe Prinzip auf meine eigene Situation angewendet. Ich bringe den Inhalt. Präzise, direkt, ohne Umwege. Die KI bringt die Form.

Wer mich fragt, wie viel KI in meinen Texten steckt, bekommt die ehrliche Antwort: viel. Die Formulierungen, der Satzfluss, die Korrektheit, das alles läuft durch ein Modell.

Wer mich fragt, wie viel von mir in meinen Texten steckt, bekommt dieselbe Antwort: viel. Die These, die Haltung, das Beispiel, der Widerspruch, die Schlussfolgerung, das alles kommt von mir.

Der Mensch bleibt am Steuer. Das gilt für meinen Entwicklungsprozess. Und es gilt für diesen Blog.

Das Ergebnis ist kein KI-Text. Es ist meiner.

Neue Beiträge als Mail

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Vorhandene Kommentare

  1. Aktuell erkennt man noch, dass KI hier mitgeholfen hat. Aber ich stimme dir zu, dass dies nicht der Punkt ist, um den es geht. Entscheidend ist, dass die Aussage hinter dem Text und die Idee hinter dem Text aus deinem Kopf stammen!

    (ich habe diesen Kommentar auch diktiert. Es ist einfach cool, was heute möglich ist)

    Liebe Grüße!

    1. Avatar von Manfred Wolff
      Manfred Wolff

      Da ich offen mit dieser Hilfe umgehe, brauche ich sie nicht zu verstecken. Im Netz gibt es dutzende „Humenizer“, welche die Mithilfe von KI verstecken will. Warum? KI ist ein Tool wie Word, Excel, Jira … Alle nutzen die Tools wie selbstverständlich nur bei KI soll es keiner wissen. Ich nutze die KI als Tool, ich sitze im Driver Seat. Nur das ist wichtig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert